Damit fing sie an, meine Begeisterung für Regio-Krimis

Milchgeld - Volker Klüpfel,  Michael Kobr

Milchgeld war meine erste Begegnung mit dem Allgäuer Kommissar, über den ich schon eine Menge Gutes gehört hatte. Kurz gesagt: ich bin nicht enttäuscht worden.
Der Fall um den Mord in Altusried ist interessant und spannend. Vor allem hat mir daran gefallen, dass die Ermittlungsarbeit des Kommissars und seiner Kollegen so realistisch-bodenständig beschrieben wird. Da gibt es keinen Vorzeige-Kommissar, der sämtliche Zusammenhänge in Nu erkennt und die Sache aufklärt. Hier ist man bei jedem Schritt der Ermittlungsarbeit dabei, erlebt zusammen mit der Polizei die Freude über neue Erkenntnisse, erlebt aber auch, wie sich manche Spur scheinbar im Nicht verliert oder neue Erkenntnisse sofort wieder auch neue Fragen aufwerfen. Genauso ist es bei Verhören oder Gesrpächen mit Verdächtigen. Auch hier gibt es niemanden, der jeden sofort durchschaut. Nein, hier darf man gerne mit dem Kommissar und seinen Kollegen mitknobeln. So ergeben sich nach und nach Erkenntnisse und es tun sich Zusammenhänge auf bis schließlich die Aufklärung des Falles ansteht. Auch wenn ich von Chemie wenig verstehe, von Lebensmittel-Chemie schon mal gar nichts, habe ich die Erklärungen am Ende als logisch und nachvollziehbar empfunden. Ich kann mir schon vorstellen, dass in dieser Richtung geforscht wird und mancher Forscher bei ersten positiven Ergebissen schon vom großen Geld träumt und auf Abwege gerät.
Einen wesentlichen Teil des Romans nimmt neben dem Fall auch Kluftinger selber ein bzw sein Privatleben. Er wird so liebenswert-schrullig beschrieben, dass er mir im Nu sympathisch war. Klar, er hat ein paar seltsame Eigenschaften und Ansichten, aber da muss man sich halt immer vor Augen führen, dass er eben eine Romanfigur ist. Man muss ja nicht im realen Leben mit ihm auskommen. Aber diese Ansichten und Eigenschaften sind es, die das Bild dieser Person ausmachen und da harmonieren sie mit der Beschreibung seines Äußeren ganz prima. Außerdem werden alle Charakterzüge und Sichtweisen des Kommissars mit einem deutlichen Augenzwinkern beschrieben, so dass sie letztlich sogar Spaß machen. Ich habe mich jedenfalls oft beim Schmunzeln und manchmal sogar beim Lachen ertappt. Eine Witzfigur ist er aber ganz und gar nicht. Während seiner Ermittlungen stellt er manches Mal seine Cleverness unter Beweis. Da ist den beiden Autoren bei der Schöpfung dieses Charakters eine sehr ausgewogene Mischung gelungen.

 

Ich habe für Milchgeld insgesamt drei Tage gebraucht, wobei ich mich von dem dünnen Taschenbuch habe in die Irre führen lassen. Denn es sieht zwar nach wenigen Seiten aus, aber es sind dann immerhin doch 310 Seiten, die dieser Roman umfasst. Das soll man so gar nicht denken. So ganz leicht zu lesen war der Roman anfangs nicht, ich musste mich an den Schreibstil schon erst gewöhnen. Vor allem an die zahlreichen Bandwurmsätze. Da hätte man gerne öfters einen Punkt setzen und einen neuen Satz beginnen  können, statt mittels Komma noch einen Halbsatz anzuhängen. Wie gesagt, nach einer Eingewöhnungs-Phase ging das dann auch. Und auch die gelegentlichen Passagen, vor allem Dialoge im Dialekt, haben mich immer wieder stolpern lassen. Denn gesprochenen Dialekt versteht man ja oft noch, wenn dann aber etwas genauso geschrieben steht, dann liest man es sich am besten selber laut vor um es verstehen zu können. Mir hat das oft geholfen.

 

Das Covermotiv lässt Allgäu-Flair und auch ein wenig Urlaubsstimmung aufkommen. Die Idee mit dem Verkehrsschild gefällt mir sehr. Es ist ein Hingucker und mit der Kuh passt es natürlich auch super zur Geschichte.

 

Fazit:  Mir hat Milchgeld Spaß gemacht. Ein spannender und interessanter Fall, ein kauziger Kommissar, quasi der Columbo des Allgäu, und ganz viel Charme, weil es immer auch sehr “menschelt”. Ich werde die weiteren Romane sicher auch lesen.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2010/05/14/milchgeld-kommissar-kluftingers-erster-fall