Super spannend und gut durchdacht

Schneewittchen muss sterben - Nele Neuhaus

An einem düsteren Novembertag finden Bauarbeiter auf dem stillgelegten Flugplatz der US-Armee in Erschborn ein menschliches Skelett, nur wenig später wird eine Frau von einer Brücke auf die Straße gestoßen. Die Ermittlungen führen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit: vor vielen Jahren verschwanden in dem kleinen Taunusort Altenhain zwei Mädchen. Ein Indizienprozess brachte den mutmaßlichen Täter hinter Gitter. Nun ist er in seinen Heimatort zurückgekehrt. Als erneut ein Mädchen vermisst wird, beginnt im Dorf eine Hexenjagd.

 

“In Altenhain, diesem idyllischen Dörfchen, das sie für so langweilig und öde gehalten hatte, lebten gnadenlose, brutale Monster, getarnt durch Masken spießiger Harmlosigkeit.”

Ich glaube, treffender als mit diesem Gedanken von Amelie kann man den Kern von “Schneewittchen muss sterben” nicht beschreiben. Lange habe ich kein so spannendes Buch mehr gelesen.
Dabei lässt es sich gar nicht so dramatisch an:
Tobias, der vor vielen Jahren in einem Indizienprozess zu 10 Jahren Haft wegen zweifachem Mädchenmord verurteilt wurde, kehrt zurück in ein Heimatdorf. Er hat seine Strafe verbüßt und bemüht sich so gut es geht, zurück ins Leben zu finden. Die Dorfbewohner sind geschockt und es beginnt eine wahre Hexenjagd auf Tobias, der sich bis heute nicht daran erinnern kann, was in der Mordnacht geschah. Und dann ist da noch die junge Amelie, eine Zugezogene, die sich für Tobias interessiert und Nachforschungen anstellt. Als die Polizei dann noch die Leiche eines der ermordeten Mädchens findet, die den Schluss zulässt, dass Tobias nicht der Mörder gewesen sein kann, sticht die Polizei in ein Wespennest.
Von diesem gar nicht mal so spektakulären Beginn an, zieht die Geschichte dann immer weitere Kreise, was sie so spannend macht. Es ist schier unglaublich, welche neuen Zusammenhänge sich auf fast jeder Seite auftun. Meine Hochachtung vor Nele Neuhaus, die diesen komplexen Plot erdacht hat. Dabei kommt so richtig deutlich der Zusammenhalt, dieser “Filz” unter den Bewohnern von Altenhai rüber und welch grausame Auswirkungen er hat(te).
Gefallen hat mir außerdem, wie manschlich die einzelnen Chakatere sind. Tobias z.B. wirkt so sympathisch, dass man ihm einerseits einen Doppelmord nicht zutraut. Andererseits sieht es aber dann doch wieder danach aus. So habe ich auch die übrigen Dorfbewohner trotz all ihrer Untaten und Geheimnisse nie als total unsympathisch empfunden. Einfach weil oft Motive oder Gründe für ihre Vergehen ein Stück weit nachvollziehbar sind.
Das gilt genauso für die Polizisten. Sie sind keine großen Helden und haben neben ihrem Job oft noch andere Probleme, die auch oft zur Sprache kommen.

Das Buch teilt sich in viele Abschnitte ein. Immer wenn es an einen anderen Handlungsort geht, beginnt eine neue Passage. So könnte man es eigentlich gut “häppchenweise” lesen. Wenn nicht an fast jedem Abschnitt ein fieser Cliffhanger lauern würde, wegen dem man doch direkt weiterlesen muss.


Es schadet übrigens nicht, sich Zettel und Stift parat zu legen und zumindest anfangs die Namen der Charaktere aufzuschreiben. Es sind schon sehr viele, die zwar alle für sich sehr speziell sind, aber zu Beginn und wegen der Sprünge von einem Handlungsort zum anderen, bei denen man ja immer anderen Personen antrifft,  kann es nützlich sein. Würde man noch alle Verbindungen zwischen den Personen eintragen, erhielte man sicher eine schicke und ansehnliche “Karte”.

 

Das Cover gibt nichts weiter über den Inhalt her und ist auch nicht unbedingt ein Blickfänger. Aber mir gefällt es, alleine wegen dem dunklen Himmel und denn allgemein recht warmen Farben, die trotzdem sehr kontrastreich sind, vor allem gegenüber den leuchtend roten “Blutstopfen”.

 

Fazit:   Ich habe selten einen so spannenden und durchdachten Krimi gelesen. Top!

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2010/08/23/rezension-schneewittchen-muss-sterben-nele-neuhaus