Damit begann meine Begeisterung für Rita Falks Provinzkrimis

Winterkartoffelknödel  - Rita Falk

In Niederkaltenkirchen geht das Verbrechen um. Zuerst ist das die Sache mit der Frau vom Sonnleitnergut. Erstklassige Sahneschnitte. Ruft an beim Eberhofer Franz, dem einzigen Polizisten in Niederkaltenkirchen, mitten in der Nacht, praktisch hysterisch. Also: hin und ermitteln. Und dann die seltsame Geschichte mit den Neuhofers. Die sterben ja an den komischsten Dingen. Mutter Neuhofer: erhängt im Wald. Vater Neuhofer (Elektriker): Stromschlag. Jestzt ist da nur noch der Hans. Und wer weiß, was dem noch bevorsteht.

 

Ich bin ja ein kleiner Fan von Regionalkrimis, deshalb habe ich mich von dem schon sehr…naja, sagen wir mal: seltsamen Titel auch nur kurz schrecken lassen. Dann überwog die Hoffnung auf einen spannenden und humorvollen Krimi aus Bayern. Anfangs wurde ich nicht recht schlau aus dem Effekt, den das Buch bei mir hinterließ. Die Charaktere wirken zunächst allesamt sehr eindimensional und irgendwie haben sie auch alle liebenswert einen an der Waffel, anders kann ich es nicht nennen. Und was den Krimi anbetrifft, der wollte und wollte einfach nicht richtig in die Pötte kommen und spannend werden. Und trotzdem hat mich jede Pause geärgert, die ich beim Lesen einlegen musste. Denn so schön langsam gewöhnte ich mich an die diversen Macken der Charaktere und fand sie dann auch ziemlich witzig. Die taube Sonderangebotsjägerin Oma, den bedenklich von seiner Pistole besessenen Polizisten Franz, den kiffende und aus Prinzip bei jeder Demo mitmarschierenden Papa, den Ludwig und die Mütze…ja, sie alle sind schon ziemlich kaputt, aber gerade deswegen auch sehr liebenswert und vor allem lustig. Insgesondere Franz hat durchaus manchen lockeren, frechen Spruch auf Lager. Meinen Favoriten bringt er als er das Verhältnis seines Bruders zu dessen rumänischer Frau beschreibt: “In Rumänien hat sie gelitten – nun lebt sie gut Dank ihrer Titten.” Aber keine Sorge, der Humor in dieser Geschichte kommt zwar äußerst selten feinsinnig daher, aber so tief wie in dieser Szene sinkt er später nie mehr.
Der Krimi bzw der Fall für Franz bleibt allerdings ziemlich hinter dieser amüsanten Dorf-Familien-Geschichte zurück. Er blickt zwar immer mal wieder durch und ist eigentlich auch ganz interessant, aber spannend will er einfach nicht werden. Jedenfalls nicht in dem Maße, dass ich sagen würde, ja, da hat man einen echten Krimi vor der Nase.
Ich werde sicher die weiteren Fälle für Franz Eberhofer lesen, einfach weil ich die schrägen Charaktere und den Witz so mag, aber bei den nächsten Geschichten darf es ganz klar mehr Krimi sein. Es gibt ja genug Regional-Krimis, die vormachen, dass sich Humor und echte Spannung nicht ausschließen müssen.

 

Es hat einige Kapitel gebraucht ehe ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte. Denn es geht sehr umgangssprachlich zu mit sehr gewöhnungsdürftigem Satzbau und obendrein durchsetzt mit manch bayerischen Ausdruck, der erst mal übersetzt werden will. Aber es geht, man findet sich schon ein. Hilfsbereiterweise gibt es im Anhang ein Glossar einiger sehr bayrischer Begriffe, die dort erklärt werden. Der Anhang ist ohnehin lesenswert. Neben diesem Glossar gibt es nämlich auch einige Rezepte, der Sondernagebots-Oma, die super toll kochen kann. Gut, die Rezepte haben 73 Jahre auf dem Buckel, aber das will ja nichts heißen. Gelacht habe ich über die letzte Seite, denn dort ist Werbung für neue Pfanni-Produkte abgedruckt, da ist auch ein Kloß-Teig dabei.

 

Das Cover fließt vor Kitsch geradezu über. Aber es passt, denn solch ein Tischtuch, solche Tassen und auch die Kuckucksuhr finden sich sicher auch im Eberhofer-Haushalt. Die Handschellen natürlich auch, und auf dem Cover sind sie schon ein herber Kontrast zum kitschigen Rest. Der Titel-Schriftzug und auch die Überschriften auf dem rückwärtigen Deckel sind etwas erhaben geprägt, was einen schönen leichten 3-D-Effekt bewirkt.

 

Fazit:   Der Krimi darf bei den nächsten Romanen gerne deutlich mehr im Vordergrund stehen. Davon abgesehen hat mir “Winterkartoffelknödel” aber sehr gut gefallen. Ein Blick in die bayerische Provinz und ins Leben eines dorthin zwangsversetzten Polizisten, der mit weit mehr als Verbrechern zu kämpfen hat. Sehr witzig!

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2010/10/15/rezension-winterkartoffelknodel-ein-provinzkrimi-rita-falk