Zombie-Geschichte mit Längen

Die Zombies - Thomas Plischke

Zombies gelten als grausam, feindselig und dumm. Doch Lily fasziniert der Mythos um die lebenden Toten. Sie ist fest davon überzeugt, dass mehr hinter diesen Geschöpfen steckt. Als sie eines Tages den gut aussehenden Victor kennenlernt, zeigt er ihr eine Welt, wie Lily sie nicht für möglich gehalten hätte: Sie muss am eigenen Leib erfahren, dass Zombies wirklich existieren und dieses Geheimnis um jeden Preis wahren. Denn ein unberechenbarer Feind ist ihr dicht auf den Fersen.

 

Zombies! Das war quasi eine Offenbarung für mich. In den Massen an Vampiren, Werwölfen und Engeln sind sie schon etwas ganz Besonderes im Buchladen. Übersinnliche Wesen, denen man nicht mal im Ansatz romantische Ansätze zutraut. Somit war das Buch schnell gekauft. Und es liße sich auch gut an. Die Hauptperson Lily war mir schnell sympathisch mit ihrer normalen, lockeren und selbstbewussten Art. Das Thema ihrer wissenschaftlichen Arbeit, der Zombie-Glaube (grob gesagt) klang interessant. Anfangs wechselt die Geschichte zwschen Szenen aus Lilys Leben und Auszügen aus ihrer Arbeit, bei denen es sich um Interviews zum Thema Zombieglauben handelt. Das gewährt Einblicke in der Thema und zeigt natürlich auch, wie intensiv Lily sich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Doch eines Tages trifft Lily auf den mysteriösen, gut aussehenden Victor (so ganz ohne Klischee geht es dann halt doch nicht, selbst Victor sieht natürlich blendend aus und sprüht vor Charme), der sie zu einer verhängnisvollen Veranstaltung mitnimmt. Von diesem Moment an kommt etwas Schwung in die Geschichte und auch wenn man als Leser schnell ahnt, woher Lilys sonderbares Verhalten rührt, so ist es doch interessant und spannend es zu verfolgen. Und selbstverständlich teilweise auch ausgesprochen eklig, immerhin ist dies ja eine Zombiegeschichte.
Dass die Story sich letztlich in drei Handlungsstränge splittet, das hatte ich so nicht erwartet. Im Nachhinein ist es aber nur logisch, anders hätte der Verlauf gar nicht funktioniert. Und so begleitet man bald Lily, ihren deutschen Freund Gottfried, dessen “Familien-Unternehmen” mich mächtig überrascht hat und schließlich einen Teenager namens Ben, der in einem abgeschiedenen Dorf lebt und gar nicht ahnt, was es mit seinen Mitmenschen auf sich hat.
Es ist nicht schwierig zu erahnen, inwiefern die drei Handlungsstränge nachher zusammenlaufen werden, dafür ist es für den Leser einfach zu offensichtlich und entsprechend blieb da bei mir auch die Spannung auf der Strecke. Die wäre mir wichtiger gewesen als die Action oder die Passagen um den Glauben und die Rituale in Bens Dorf. Am interessantesten waren da noch die Kapitel um Gottfried, die ich sehr gerne und mit Vergnügen gelesen habe.
Als neuartig habe ich es empfunden, dass Thomas Plischke Zombies in die tumben, mordlüsternden Kreaturen, aber auch in fleischfressende Wesen, die durchaus noch Teile ihres menschlichen Daseins in sich tragen, aufteilt. Schließlich ist “Die Zombies” kein Splatter. Außerdem wird damit der Möglichkeit Raum geschaffen, dass es eine Fortsetzung um Lily geben könnte.

 

Eigentlich lässt sich “Die Zombies” leicht lesen. Es ist locker und recht umgangssprachlich geschrieben. Lilys Interviews dagegen sind ein ganz anderes Kaliber. Lily hat die Interviews mit Wissenschaftlern geführt und ist selbst Wissenschaftlerin, und entsprechend schwierig lesen sich diese Passagen auch. Da gibt es  gelegentlich Bandwurmsätze, die mehrmals lesen musste ehe ich sie komplett verstanden hatte, und natürlich auch Fachbegriffe. Solche Passagen gibt es allerdings nur um ersten Drittel, sie ziehen sich nicht durch das gesamte Buch.

 

Vom Cover her unterscheidet sich das Buch auch nicht sonderlich von den Werwolf-Vampir-Engel-Kollegen. Auch es zeigt einzig ein Mädchengesicht. Scheinbar wirken solche Motive gerade am besten. Die wirren Haare, die dunkel umränderten Augen und der neckische Tropfen Blut im Mundwinkel peppen das Motiv ein wenig auf.

 

Fazit:   Schön, dass Thomas Pliscke die Zombies ins Rennen um die Gunst der Leser geschickt hat. Endlich Gestalten, die nicht für romantsichen Kitsch bürgen, sondern Leser erfreuen, die von blutrünstigen Wesen auch erwarten, dass sie blutrünstig sind. Allerdings habe ich das Buch nur zu Teilen als wirklich spannend empfunden. Es zieht sich hin und wieder schon ordentlich und plätschert gerne auch einige Kapitel lang einfach dahin, trotz mancher Actionszenen und einem Ansatz von schwarzen Humor. Denen fehlt aber der letzte Kniff um die absackende Spannung aufzufangen. Wer aber auf Zombie-Geschichten steht, der kann hier ruhig mal ein paar Lesestündchen investieren.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2010/10/31/rezension-die-zombies-thomas-plischke