Bewegend!

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie - Lauren Oliver, Katharina Diestelmeier

Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten? Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben: mit ihren Freundinnen zur Schule fahren, die sechste Stunde schwänzen, zu Kents Party gehen. Stattdessen ist es ihr letzter Tag. Sie stirbt nach der Party bei einem Autounfall. Und wacht am Morgen desselben Tages wieder auf. Siebenmal ist sie gezwungen diesen Tag wieder und wieder zu durchleben. Und begreift allmählich, dass es nicht darum geht, ihr Leben zu retten. Zumindest nicht so, wie sie dachte.

 

Das Buch hatte mich lange gereizt, aber irgendwie konnte ich mich dann doch nicht dazu durchringen, es zu lesen.
Ich weiß nicht einmal genau, was mich abhielt, denn die Idee an sich klang wirklich gut.
Nun habe ich es aber doch gelesen und bin sehr froh darüber. Wobei ich anfangs nicht wusste, ob ich Sam -die Hauptperson- nun sympathisch finden sollte, oder nicht. Denn einerseits ist sie diese Sorte Mädchen, die ich normalerweise als Tussi bezeichnen würde: nur Aussehen, Klamotten, Jungs und Party im Kopf. Und manchmal spukte mir auch die Bezeichnung “Schlampe” im Kopf herum, gerade weil das Thema Jungs und Sex so wichtig ist, und auch weil Sam und ihre Freundinnen mitunter Sprüche auf Lager haben, die man eher den Kerlen zutraut.
Allerdings blickt auch immer wieder durch, dass Sam eben doch nicht nur Stroh im Kopf hat und dass sie nur zu gut weiß, wie es als Außenseiter mal war. Damit konnte sie bei mir dann wieder punkten.
Jetzt nach dem Lesen denke ich, dass Lauren Oliver Sams Charakter bewusst so angelegt hat. Denn dadurch, dass Sam in erster Linie oberflächlich wirkt, lässt sich natürlich ihre Entwicklung über die sieben Tage hin umso deutlicher aufzeigen.
Ich war anfangs besorgt, dass es langweilig werden könnte, siebenmal über den gleichen Tag zu lesen, doch diese Sorge war unbegründet. Dadurch, dass zumindest Sam sich an jeden der Tage erinnern kann, hat sie natürlich die Möglichkeit, das Geschehen am nächsten Tag zu beeinflussen. So bleibt es abwechslungsreich, obwohl man eigentlich über den gleichen Tag liest. Zudem kommt Sam ja nach und nach dahinter, um was es eigentlich dabei geht, was das Schicksal mit diesem ewigen neuerlichen Aufwachen bezwecken möchte. Auch dieser Gesinnungswandel, der sich kaum merklich einschleicht, aber trotzdem immer erkennbar ist, hält die Geschichte sehr interessant.
Erfreulicherweise gelingt Lauren Oliver dabei eine sehr schöne Mischung aus nachdenklichen, spaßigen und traurigen Passagen, so dass man bei der Geschichte mal nachdenklich wird, dann wieder darüber lachen oder auch mal weinen kann. Keine dieser Emfpindungen wird je überstrapaziert, so dass es insgesamt ein vergnüglicher und interessanter Lesestoff bleibt, der aber Wirkung zeigt.
Wie schon erwähnt sind Jungs ein wichtiges Thema für Sam und ihre Freundinnen, entsprechend hält “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” auch eine Liebesgeschichte bereit. Und auch wenn ich sie schon in dem Moment gewittert hatte als der Name des Typen zum ersten Mal fiel, habe ich den Weg dorthin so gespannt verfolgt, dass sie mir zum Ende hin beinahe wichtiger war als der Rest der Geschichte.
Sams Schwarm ist aber auch hinreißend, wie ich finde ;) Alleine deswegen hatte ich tatsächlich darauf gehofft, dass Sam am Ende doch wieder lebendig sein würde…ganz gleich, wie das Schicksal das geschafft hätte. Schließlich ist es das Schicksal. Wenn das keine Möglichkeiten hat, wer denn dann?

 

“Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” lässt sich gut und leicht lesen, zumal es durchweg in recht jugendlichem Ton geschrieben ist. Da Sam die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, passt das so sehr gut. Außerdem ist es Lauren Oliver gelungen, einer Jugend-Geschichte genau das richtige Maß Tiefgang beizumischen. So bleibt sie für die jugendlichen (und den einen oder anderen erwachsenen ;) ) Leser immer interessant und greifbar. Auch das trägt dazu bei, dass man sich mit Vergnügen hindurch liest.

 

Der Umschlag ist zwar mit der großen Schrift und dem weißen Hintergrund sehr auffällig, aber so richtig gefällt er mir nicht. Vor dem Lesen dachte ich noch, dass es vielleicht einen direkten Zusammenhang mit der Geschichte gibt, doch das stimmt nicht. Somit finde ich die Gestaltung etwas einfallslos. Mr gefällt das Buch “nackt” viel besser, denn da gibt es nur auf dem Rücken den Titelschriftzug. Ansonsten sind die Deckel dunkel gehalten, glänzen und zeigen lediglich helle Lichtpunkte, die sich zu bewegen scheinen, wenn man das Buch kippt. Ein Pluspunkt bei der Ausstattung ist das Lesebändchen.

 

Fazit:  “Wenn du sirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” hat mich zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken gebracht. Was kann man von einem Buch mehr verlangen? Eine sehr schöne Geschichte, die sich auf frische und jugendliche Art mit heiklen Themen beschäftigt. Empfehlenswert!

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2011/01/09/rezension-wenn-du-stirbst-zieht-dein-ganzes-leben-an-dir-vorbei-sagen-sie-lauren-oliver