Coole Idee, aber leider kaum spannend

Sissi, Die Vampirjägerin: Scheusalsjahre einer Kaiserin - Claudia Kern

Wien – Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Donaumonarchie erholt sich von den Ereignissen der Märzrevolution und ist peinlichst darauf bedacht, das Reich von Anarchisten freizuhalten. Es ist die Zeit des sogenannten “rothosigen Leutnants”, Franz-Joseph I. Soldat, Kaiser und … Vampir. Nur wenige Eingeweihte wissen, dass nahezu der gesamte Hochadel Europas von uralten Vampirclans durchsetzt ist, die unerkannt von ihren Untertanen, die Geschicke der Welt lenken. Toleriert und unterstützt von menschlichen Handlangern, achten sie auf die Einhaltung jahrhundertealter Machtgefüge. Doch es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem Treiben der Blutsauger ein Ende zu bereiten. Zu ihnen gehört Herzog Max Joseph in Bayern, der seine beiden Töchter Helene und Elisabeth insgeheim zu tödlichen Waffen gegen die Untoten ausbildet. Sie sollen direkt in das Herz der Vampir-Monarchie vorstoßen und sie vernichten. Eine zunächst unscheinbare Romanze der jungen Elisabeth hat das Potenzial die Fundamente einer ganzen Welt zu erschüttern.

 

Auf dieses Buch bin ich bei einer Lesung auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse aufmerksam geworden. Mir gefiel die Idee und die gelesenen Auszüge waren außerdem recht lustig. Somit stand schnell fest, dass dieses Buch Pflicht für mich sein würde.
Umso bedauerlicher ist es, jetzt sagen zu müssen, dass es meinen Erwartungen nicht entsprochen hat. Natürlich: der Gedanke, dieses verkitschte Lovestory, die alljählich zu Weihnachten aus den TV-Geräten trieft, mit dem aktuellen Vampir-Hype zu würzen, das hat etwas. Alleine der Vergleich, den man beim Lesen im Geiste fast automatisch anstellt, ist schon für ein Schmunzeln gut. Und auch sonst ist die Story von einem sachten und oftmals auch feinsinnigen Humor durchzogen. Leider gibt es aber auch so manchen Running-Gag, der spätestens nach dem dritten Mal einfach nicht mehr lustig, sondern nur noch platt ist.
Größtes Manko in meinen Augen ist allerdings, dass die Geschichte sich offenbar nicht entscheiden kann, aus welchem Aspekt sie die größte Spannung ziehen will: aus der ungleichen Romanze zwischen Sissi und Franz , aus der Sabotage an der blutsaugenden Obrigkeit, oder aus dem Kampf gegen die so genannten “wilden Vampire”. Da hätte man sich schon auf einen Punkt festlegen müssen, denn so plätschern die Handlungsstränge mehr vor sich hin, statt dass einer von ihnen den Leser so richtig packt. Und dabei bleibt die Spannung merklich auf der Strecke.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass vom Kitsch der Fernsehfilme nichts geblieben ist. Das mag nun zunächst sicher positiv klingen, aber die großen Gefühle zwischen Sissi und Franz sind nun mal mit das wichtigste Element der ursprünglichen Geschichte. Die hätte man in dieser Persiflage zumindest ein wenig durchblitzen lassen können. Aber bis auf sehr wenige Szenen ist von Romantik absolut nichts zu spüren.

 

Das Buch liest sich von der Sprache her sehr flüssig. Natürlich herrscht ein etwas altmodischer Ton, doch wird in dieser Hinsicht glücklicherweise nicht übertrieben. Allerdings lädt diese Unentschiedenheit darüber, aus welcher Richtung es spannend sein soll, dazu ein, den einen oder anderen Absatz zu überspringen. Mir ist das auch passiert, aber sobald ich mich dabei erwischt hatte, habe ich den Absatz doch noch gelesen. Ich kann allerdings nicht behaupten, dass mir je etwas Wichtiges entgangen wäre, wenn ich die Szenen komplett ausgelassen hätte. Unglücklicherweise gibt es einige Schreibfehler, und das ist etwas, das mich bei Büchern immer sehr stört.

 

Das Cover ist ein Hingucker: Sissi wie man sie aus den Filmen kennt in einem prächtigen Kleid, ABER bis an die Zähne bewaffnet. Ein schöner Kontrast, wie ich finde. In der Innenklappe des Frontcovers kann man eine kurze Passage aus dem Buch lesen, so dass man z.B. im Laden ohne zu Blättern mal “reinschnuppern” kann.

 

Fazit:   Eine Kreuzung aus Sissi und Buffy. Grundsätzlich eine gute Idee, die zumindest unterhaltsam ist. Als spannend habe ich sie jedoch nicht empfunden, was bei einer solchen Geschichte um eine Fehde zwischen Menschen und Vampiren sehr schade ist.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2011/04/28/sissi-die-vampirjagerin-scheusalsjahre-einer-kaiserin-claudia-kern