Erschreckende Thematik

Gefährliches Schweigen - Ritta Jacobsson

Bildete Svea sich wirklich ein, er würde mit ihr reden? Er, der mit keinem einzigen Menschen auf der ganzen Welt reden konnte? Seine Angst war so wahnsinnig groß, das ließ sich nicht erklären. Dabei hatte niemand ihn geschlagen. Man hatte ihm bloß ein Foto gezeigt. Und das war widerlich gewesen. Er hatte die Augen zukneifen wollen, hätte am liebsten gekotzt und geheult, aber sie hatten ihn festgehalten und ihn gezwungen, es anzuschauen. Lange. Sie hatten gesagt, er solle sich überlegen, was passieren würde, wenn er nicht tat, was sie verlangten. Er hatte es sich überlegt. Und beschlossen zu tun, was sie verlangten. An Sveas Schule scheinen viele Schüler vor etwas Angst zu haben. Als die schüchterne Natalie dann auch noch droht, vom Schuldach zu springen, fängt Svea an Fragen zu stellen. Sie trifft aber nur auf eine Mauer des Schweigens. Erst als Sveas Hund in Lebensgefahr gerät, begreift sie langsam, womit sie es zu tun hat. Und dann ist es schon fast zu spät.

 

Nachdem mir Sveas erster Fall (“Todeswald“) so ausnehmend gut gefallen hat, hat es nicht lange gedauert bis auch das zweite Buch der Reihe in mein Regal einzog und sofort gelesen wurde.
Ich habe “Gefährliches Schweigen” als nicht ganz so spannend empfunden, wie Band 1. Im ersten Teil wurde man wunderbar lange im Unklaren darüber gehalten, aus welcher Richtung die Gefahr drohte. In diesem zweiten Band ahnt man schnell, mit welcher Art Gefahr es Svea zu tun bekommt. Dennoch erschließen sich alle Zusammenhänge und das Ausmaß erst nach und nach und das Finale hat es dann noch einmal richtig in sich.
Schlechter als Band 1 ist “Gefährliches Schweigen” aber keineswegs. Es punktet nur in anderen Belangen. Hier wird zwar in Sachen Spannung nicht so hoch gepokert, dafür erschreckt einen dieses Buch durch die Thematik. Denn hier wird ein sehr aktuelles und wichtiges  Thema angegangen, in dem sich viele der jungen Leser vielleicht ein Stück weit wiederfinden können. Ältere, erwachsenere Leser (auch denen kann ich dieses Buch empfehlen), die eventuell schon selber Kinder im Schulalter haben, könnten durch die Lektüre aufmerksamer, sensibler für das Verhalten der Kids werden.
Auch wenn das nun vielleicht so klingt, das Buch kommt nicht mit moralisch erhobenem Zeigefinger daher, es ist duchaus ein waschechter Krimi. Als Leser hat man reichlich Gelegenheiten um die mutige Svea zu bangen, in die man sich in diesem Band oft gut hineinversetzen kann und die einem so noch eine Spur sympathischer wird. Es ist Ritta Jacobsson sehr schön gelungen, Svea zwar zu einer echten Dektektivin zu machen, sie aber gleichzeitig auch ein normaler Teenager sein zu lassen mit Allem, was so dazu gehört. Von der ersten Liebe, über Hobbys bis hin zu ihrer Tierliebe, Svea ist ein ganz normales junges Mädchen. Übrigens: insbesondere tierliebe Leser(innen) dürften bei diesem Buch mindestens eine Gänsehaut bekommen, ich habe mich sogar manches Mal richtig dabei gekrümmt… Dies vielleicht als eine kleine Warnung.

Es ist nicht zwingend notwendig, dass man Band 1 der Reihe kennt, es ist aber empfehlenswert mit “Todeswald” zu beginnen, da es in “Gefährliches Schweigen” durchaus Andeutungen auf Band 1 gibt.

 

Dank Sveas lockerer, jugendlicher Art zu erzählen, liest sich “Tödliches Schweigen” sehr leicht. Auch dieses Buch hätte ich gerne in einem Rutsch gelesen, habe es mir aber doch wieder eingeteilt um länger Spass daran zu haben. Gelegentlich sind Passagen eingestreut, die nicht von Svea erzählt werden, sondern einen Blick auf verschiedene andere Charaktere und ihre Gedanken und Probleme gewähren. Das bietet Abwechslung und ist außerdem ein schöner “Kniff”, der zusätzlich zum Mitknobeln einlädt.

 

Optisch ist das Buch im gleichen Stil gehalten wie der Vorgänger. Schwarzer Rahmen um ein kräftig rot gefärbtes Motiv, ganz in der Art eines Schattenrisses. Das Motiv könnte einem Film entliehen sein, der von irgendwelchen Gangs in den USA handelt, was mir zunächst etwas übertrieben schien. Doch nach dem Lesen finde ich, dass es gut zur Geschichte passt und nicht im Geringsten übertreibt. Leider…

 

Fazit:  Eine Spur weniger spannend als “Todeswald”, dafür von der Thematik her wirklich erschreckend. Das wiegt das Manko an Spannung locker auf. Somit kann ich “Gefährliches Schweigen” ebenfalls vorbehaltlos empfehlen. Sowohl jugendlichen Krimi- bzw Thriller-Fans, als auch Erwachsenen, die sich für diese Genres begeistern.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2011/05/13/rezension-gefahrliches-schweigen-ein-svea-andersson-krimi-ritta-jacobsson