Spannend, aber anstrengend zu lesen

Das kalte Herz der Schuld - Anna Jarzab, Ursula Höfker

»Ein Mädchen, das ich liebte, war gestorben, war kaltblütig erschossen worden.
Und ihr Tod verfolgt mich immer noch.«
Es waren vier Schüsse mitten ins Herz, die Carly töteten. Ein Jahr ist seit dem Mord vergangen und der vermeintliche Täter sitzt im Gefängnis. Doch es gibt zwei Menschen, die an dieser allzu leichte Wahrheit zweifeln: Neily, Carlys damaliger Exfreund, und Audrey, ihre beste Freundin und – Tochter des Mörders! Die beiden beginnen Fragen zu stellen und entblättern nach und nach die düsteren Geheimnisse, die Carlys Tod umgeben – eine Spirale von Schuld, Schweigen und Selbstzerstörung tut sich auf. Alle Spuren erzählen von den ungeahnten Abgründen, in die ihre Freundin sich stürzte … und führen zu ihrer Clique an der Eliteschule von Brighton. Was wusste Carly? Und wer wollte sie zum Schweigen bringen?

 

Dieses Buch habe ich aus dem Produkttester-Programm von amazon und ich hatte mich dafür entschieden, weil ich einfach mal wieder einen Krimi bzw Thriller für Jugendliche lesen wollte statt immer nur Fantasy. Die Inhaltangabe klang ganz interessant und so habe ich einfach mal blind zugegriffen.
Zumindest was die Geschichte anbetrifft, habe ich diese spontane Entscheidung zu keiner Seite je bereut. Es ist spannend und interessant zu verfolgen, wie sich diese Geschichte entwickelt. Denn zunächst ist ja “nur” von dem Mord die Rede und wie sehr Carlys Exfreund Neily darunter leidet. Noch nichts sonderlich Spektakuläres. Doch als sich Neily und Audrey zusammentun, weil Audrey nicht glaubt, dass ihr Vater Carly umgebracht hat, und raufinden möchte, wer wirklich dahinter steckt, wird es Kapitel für Kapitel immer interessanter. Denn nach und nach dröselt sich da ein ganzes Netz an Zusammenhängen, Beziehungen, Schicksalen und Intrigen auf, die sich um den Mord an Carly ranken.
Außerdem kann man ganz prima mit Neily und Audrey zusammen ermitteln, denn weite Teile der Geschichte sind in Dialogen erzählt. Da kann man kombinieren und eigenen Schlüsse ziehen, überlegen ob Neilys und Audreys Schlüsse sinnig und richtig sind, und so dem Täter auf die Spur kommen.
Ich bin mir sicher, man könnte sich eine Liste mit den Charakteren neben das Buch legen, nach und nach zu jedem dazu schreiben, ob und warum er der Täter sein könnte, oder ob und weshalb eben nicht. Mit besonders vielen Charakteren hat man es auch nicht zu tun, so dass es nicht unübersichtlich wird. Auch wenn die Geschichte durchaus komplex ist, bleibt durch diese relativ wenigen Charaktere eine geradlinige Handlung erhalten.

Soweit so gut. Ich hatte aber auch ein großes Problem mit diesem Buch. Ich fand es unheimlich anstrengend zu lesen.
Das fängt mit der Textform schon an: Blocksatz. Ich mag das an sich sehr gerne und verwende es selber auch, aber auch im Blocksatz kann es mal einen Absatz geben. Bei diesem Buch guckt man aber meist einfach auf massigen Text und das lädt zumindest mich nicht gerade ein.
Zudem wirkten mir die Charaktere durch ihre Sprache und Wortwahl einfach zu erwachsen. Und wenn sie hundertmal hochintelligent sind, so unterhalten sich siebzehnjährige Jugendliche einfach nicht. Will heißen: Bandwurmsätze und absolut unlocker, und entsprechend schwierig zu lesen. Daran hatte ich mich bis zum Ende noch nicht gewöhnt.


Das sind so die beiden wesentlichen Gründe, weshalb ich für das Buch -für meine Verhältnisse- sehr lange gebraucht habe. Mit 448 Seiten ist es außerdem auch nicht eben dünn.

 

Das Mädchen auf dem Cover soll wohl Carly sein, wie sie tot im Schnee liegt. Ansonsten kann ich keinerlei Zusammenhang zwischen Geschichte und Cover herstellen. Das sieht nicht nach Thriller aus und auch der Schriftzug des Titels lässt nicht auf dieses Genre schließen. Nein, dieses Cover konnte mich nicht begeistern

 

Fazit:  Ein sehr spannender Thriller mit interessantem Verlauf, der einen rein inhaltlich nicht mehr loslässt. Mir hat es außerdem gefallen, dass man so gut mitknobeln kann, wer der Mörder ist. Aber ich habe “Das kalte Herz der Schuld” als sehr antsrengend zu lesen empfunden, was das Lesevergnügen dann doch ein wenig getrübt hat.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2011/10/01/rezension-das-kalte-herz-der-schuld