Mörderisches Lipperland? - Schön wäre es...

Blut und Rüben: Krimi - Uwe Voehl

Der Engländer Oliver Dylan Dickens erbt eine Waldschänke im Teutoburger Wald, samt britischem Butler und lippischer Haushälterin – von seinem Großonkel, den er nicht gekannt hat. Der Onkel starb keines natürlichen Todes. Seine Leiche wurde am See ohne Kopf aufgefunden. Der Mord gibt allen Rätsel auf. Kurz darauf taucht die nächste enthauptete Leiche auf … Dickens stürzt sich in die Ermittlungen und stellt nach und nach fest, dass er einer bizarren Verschwörung auf der Spur ist.

 

Auf dieses Buch hatte ich mich schon lange gefreut. Der Titel klang vielversprechend und vor allem auch amüsant, und auch der Schauplatz weckte sofort mein Interesse. Denn “Blut und Rüben” spielt im Lipperland bzw in der Gegend des Teutoburger Waldes, was quasi in meiner “Nachbarschaft” liegt.  Warum also nicht mal einen Regionalkrimi aus der eigenen Gegend lesen?
Allerdings waren all diese meine Erwartungen bzw Ansprüche wohl zu hoch gesteckt gewesen, oder schlicht falsch.
Einzig dem Kriminalfall kann man keine Vorwürfe machen, denn der geht in Ordnung. Die seltsamen Morde, der Anschlag auf Moritz, seine Nachforschungen, seltsame Firmen, die Interesse an ortsansässigen Hören bekunden um dort genmanipulierte Rüben zu ziehen…das ergibt in Summe eine absolut krimitaugliche Mischung, die an sich sicher spannend ist.
Woran es “Blut und Rüben” für mich jedch fehlt, das ist Unterhaltsamkeit. Eines der wichtigsten Merkmale, die Regionalkrimis für auszeichnen. Dabei sind die Voraussetzungen gegeben. Uwe Voehl schickt durchaus ungewöhnliche, leicht schräge Charaktere auf die lippische “Bühne”, doch dabei bleibt es auch. Bei ausgefallenen Namen, einer Beschreibung, aber ohne große Ausarbeitung ihresWesens und ihrer Eigenarten. So sind die Personen allenfalls bei der ersten Namensnennung amüsant.  In diesem Zusammenhang ist eines der größten Mankos für mich Hauptperson Moritz. Über ihn wird lange nicht verraten, wieso er sich erlauben kann, nicht zu arbeiten, aber trotzdem Miete berappen kann. So war er für mich geraume Zeit eher ein fauler, rumgammelnder Taugenichts mit unbekannter Geldquelle. Und mit solchen Personen werde ich nicht warm.
Es sind ebenfalls genug Möglichkeiten gegeben, das generelle Wesen der Lipper deutlich zu machen, sogar auf humorvolle Weise, aber…nichts! Und wenn, dann in Ein-Satz-Feststellungen, aber eben nichts, was Charme entwickelnd könnte. Da nützen auch die diversen Rüben-Rezepte nichts. Das wirkt eher gezwungen als charmant.

 

Ich habe freudig und optimistisch mit dem Buch begonnen, doch der Elan wurde bald durch genannte Kritikpunkte ausgebremst. Entsprechend habe ich ungewöhnlich lange für “Blut und Rüben” gebraucht. Dabei ist es keineswegs schwierig zu lesen, weil umständlich geschrieben oder wegen unheimlich komplexer Handlung.

 

Cover mit Schneidewerkzeugen sind aktuell scheinbar schwer angesagt. Für mich war “Kraut und Rüben” das erste Buch mit solch einem Motiv. Mir hat das sofort gefallen. Es wirkt einerseits bedrohlich, dass das Messer ohne Weiteres auch als Waffe eingesetzt werden könnte, andererseits aber auch harmlos, da es wohl nur zum Zerteilen der Rüben daneben gedacht ist. Diese Gegensätzlichkeit hat was. Auch die Karte mit den eingezeichneten Ortschaften und Schauplätzen ist eine schöne Idee. Ich verstehe nur nicht, wieso man sie gleich zweimal abdrucken musste: im vorderen UND hinteren Buchdeckel.

 

Fazit:  Ein Buch muss mich auf irgendeine Art unterhalten, damit ich es gerne und mit Vergnügen lese. Das ist “Blut und Rüben” leider nicht gelungen. Da hat auch der recht interessante Kriminalfall nichts retten können. Für einen Regionalkrimi fehlt es hier an Charme und Humor. Aber wir hier sind ja als stur und humorlos verschrien…womöglich hängt das damit zusammen.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2011/12/08/rezension-blut-und-ruben-uwe-voehl