Gelungener Auftakt mit Luft nach oben

Ewiglich die Sehnsucht - Brodi Ashton

Wenn die Unsterblichen das größte Opfer verlangen… Jack ist Nikkis große Liebe. Eine Liebe, die sie durch die Finsternis der Unterwelt getragen hat. Endlich, nach hundert Jahren der Sehnsucht, kehrt Nikki zurück. Doch ihr bleibt nur ein halbes Jahr Ihre Freunde und ihr Vater glauben, dass sie einfach abgehauen war, doch in Wirklichkeit hat der Rockmusiker Cole sie mit in die Unterwelt genommen. Cole ist ein Unsterblicher, der sich von den Gefühlen der Menschen ernährt Nur Nikkis Liebe zu Jack hat sie davor bewahrt zu sterben und ihr ermöglicht, auf die Erde zurückzukehren. Cole, mit dem sie ein seltsam enges Band verbindet, bedrängt sie, mit ihm gemeinsam in der Unterwelt zu herrschen. Doch Jack, der Nikki niemals wieder verlieren möchte, riskiert alles für sie.

 

Auf den ersten Seiten war ich von der Geschichte ziemlich verwirrt, denn es ist auf Anhieb nicht zu durschauen, um was es hier geht, und warum Nikkis Leben so ist, wie es ist. Doch das pendelte sich realtiv schnell ein als ich durchschaut hatte, dass die Geschichte quasi zweigleisig verläuft.
Da ist einmal die Handlung im Heute, in der Nikki versucht, ihre Fehler und Versäumnisse ihrer Vergangenheit gutzumachen und ihrem unausweichlichen Schicksal zu entgehen. Auf der anderen Seite hat man hier die Handlung von früher, aus der Zeit, in der Nikki noch ein ganz normaler Teenager war, der sich aus Verzweiflung Hilfe suchend an die “böse Seite” wandte, was zu ihrem heutigen Dasein führte.
Dieser Wechsel der Handlungsstränge hat mir gut gefallen. Er hält die Geschichte abwechslungsreich und gibt dem Leser die Chance, sich die Handlung insgesamt nach und nach zu erschließen.
Gefallen hat mir auch, dass Brodi Ashton für “Ewiglich die Sehnsucht” mal eine andere Art der übersinnlichen Welt und ihrer Bewohner erdacht hat. Mal keine Vampire, Werwölfe, Feen, Elfen und wer nicht alles gerade die Bücherwelt bevölkert.
Und Brodi Ashton ergeht sich auch nicht in endlosen Beschreibungen des Ewigseits und den Kreaturen dort, was mir sehr entgegenkam. Dennoch ist das Ewigseits gut vorstellbar, auch ohne ellenlange Schilderungen. Die Handlung spielt ohnehin überwiegend in unserer Welt, da halte ich eine umfangreiche Beschreibung auch nicht für allzu notwendig.
Genauso gut ist es ihr gelungen, ihre Charaktere anzulegen. Mit Nikki wurde ich sehr schnell warm. Trotz ihres Schicksals, das wirklich schrecklich ist, bleibt sie trotzdem ein ganz normaler Teenager und legt auch einen gewissen Sinn für Humor an den Tag. Cole ist für mich die wohl schillerndste Gestalt in der Geschichte. Und auch wenn er praktisch das Böse in Person ist, ist er mir nie wirklich unsympathisch geworden. Vielleicht ein heimlicher Hinweis darauf, wie sich sein Charakter im Laufe der Trilogie noch entwickeln wird? Aber vielleicht lasse ich mich da auch nur gut an der Nase herumführen. Bei Nikkis Liebe Jack hat es länger gedauert, ehe ich ihn mochte und in ihm mehr sah als den Helden auf dem Footballfeld.
Dass “Ewiglich die Sehnsucht” mythologische Bezüge aufweist, habe ich erst spät im Internet erfahren. Da hatte ich mit dem Buch bereits angefangen. Was aber auch gut so war. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass ich das Buch deshalb so lange wie möglich links hätte liegen lassen. Denn Mythologie ist nur in Maßen mein Ding. Zuviel davon und ich beginne mich schnell zu langweilen. Doch um das Buch aufzugeben, war ich bereits zu weit gekommen, und um später “abzuschalten”, dazu ergab sich glücklicherweise keine Gelegenheit. Denn auch hier hat Brodi Ashton ein gesundes Maß gefunden, mit dem ich prima leben konnte und das ich so auch als interessant empfunden habe.
So weit, so gut. Inhaltlich hat mir “Ewiglich die Sehnsucht” also gut gefallen, daran ist nichts zu rütteln.
Es gibt aber auch zwei Aspekte, die mir ebenfalls -und dieses Mal im negativen Sinne- eher mäßig vorkamen.
So habe ich die Geschichte nicht als sonderlich spannend und dramatisch empfunden. Auch wenn in den Kapitelüberschriften immer die verbleibende Zeit (bis zu Nikkis Nährung und bis zu ihrer Rückkehr) beinhalten und natürlich beide Ausgänge durchaus fürchterlich sind. So hielt mich die Geschichte eher neugierig auf ihr Ende, als dass ich nägelknabbernd darauf hingefiebert hätte. Womöglich wäre  für mehr Spannung doch eine genauere Beschreibung des Ewigseits und des Schicksals, das die Menschen dort erwartet, gebraucht. Doch dann bin ich schon lieber “nur” neugierig, als mich bei ewig langen Schilderungen zu langweilen.
Mäßig erschien mir auch das Faktor Romantik. Ich brauche beileibe keine Kitsch triefenden Lovestorys, aber so ein gewissen, schönes Kribbeln, das darf es gerne sein. Ich glaube, das habe ich ganze zweimal empfunden. Bei der innigen Liebe zwischen Nikki und Jack doch etwas selten, wie ich finde.

 

Ich habe drei Abende für das Buch gebraucht. Da Nikki die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt und sie -wie erwähnt- trotz aller Schicksalsschläge doch auch ein normaler Teenager ist, ist ihre Erzählweise angenehm jugendlich, frisch und locker. Bei dem, was Nikki in beiden Handlungssträngen erwartet, hätte sie auch tottraurig und depressiv erzählen können, doch das ist glücklicherweise nicht der Fall. So liest sich “Ewiglich die Sehnsucht” flüssig und leicht.

 

Das Gesicht auf dem Cover lässt natürlich sofort durchblicken, welches Genre man zwischen den Buchdeckeln antreffen wird. Eine solche Darstellung ist wohl inzwischen Standard geworden. Da ich Ähnliches neuerdings aber auch bei anderen Genres beobachte, will ich das nicht mehr allzu sehr verdammen. Es scheint zu lohnen, Bücher auf diese Weise kenntlich zu machen. Dafür gefällt mir der (Granat)apfel ganz gut, denn immerhin stellt Cole Nikki ein Leben im Paradies in Aussicht. Da passt dieses Symbol gut dazu.

 

Fazit:  Mich hat “Ewiglich die Sehnsucht” drei Abende ganz gut unterhalten. Eine erfreulich neue jenseitige Welt, sympathische, menschliche Charaktere und ein gesundes Maß an Mythologie, das hat mir gefallen, und mir am Ende sogar ein paar Tränen in die Augen getrieben. Es hätte aber ruhig noch etwas spannender und romantischer sein können. Doch das Buch ist der Erstling einer Trilogie, da besteht ja noch jede Hoffnung, dass das noch kommt. Ich bin gespannt!

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/01/15/rezension-ewiglich-die-sehnsucht-brodi-ashton