Für junge Thriller-Fans

Die Lilienvilla - Karen McQuestion, Sabine Bhose

Was für ein Schock: Die 16-jährige Angie wird mitten am helllichten Tag auf der Straße überfallen und kann sich nur mit Mühe retten. Kaum zurück aus dem Krankenhaus, erhält sie eine überraschende Einladung: Lillian Bittner, die Mutter des Angreifers, bittet sie zum Abendessen in ihre Villa. Die alte Dame erweist sich als umsichtige Gastgeberin und überredet das Mädchen sogar, über Nacht zu bleiben. Obwohl sie sich unwohl fühlt, willigt Angie ein.

 

Auf dem Rücken des Buches heißt es “Ein Psychothriller für mutige Mädchen”. Das machte mich auf dieses Buch neugierig. Ich mag Psychothriller und weiß, dass es auch im Bereich “Jugendbücher” gute Bücher dieses Genres gibt.
Die Geschichte hier hat mir gut gefallen. Sie hält sich nicht mit langen Vorreden auf und schon nach wenigen Seiten nimmt das verhängnisvolle Geschehen seinen Lauf. Die 16jährige Angie wird auf der Straße überfallen und dabei schwer verletzt. Wenig später lädt die Mutter des Täters sie in ihre Villa ein um -wie Angie das sieht- gewissermaßen Widergutmachung zu betreiben. Angie nimmt die Einladung widerwillig an und ahnt bereits als sie den ersten Schritt in das düstere Haus macht, dass hier etwas Fürchterliches auf sie wartet.
Als Leser geht es einam ganz ähnlich. Karen McQuestion beschreibt die Lilienvilla ausgesprochen geheimnisvoll und düster, da läuft einem schon mal eine kleine Gänsehaut über den Rücken. Gleiches gilt für die Besitzerin der Villa, Lilian Bittner, und ihre Angestellten Hank und Trudy. Während man bei Hank und Trudy im Nu ahnt, dass sie nichts Gutes im Sinne haben, wird man bei Lilian länger hingehalten. Denn Lilian zeigt sich als geradezu rührende Gastgeberin, stets freundlich und großzügig. Doch in jedem ihrer Sätze und jeder Schilderung ihrer Person schwingt eine gewisse lauernde Bedrohung mit. Auch wenn es nach aussen hin nicht so scheint, man weiß einfach, dass von ihr nichts Gutes zu erwarten ist.
Was es genau ist, war für meinen Geschmack etwas sehr vorhersehbar. Es gibt zahlreiche Andeutungen und Hinweise, die einen auf die Spur von Lilian Bittner bringen, so dass man den Ausgang der Geschichte über kurz oder lang erahnt. Ein paar Kleinigkeiten haben mich aber dennoch überrascht, so dass ich nicht allzu enttäuscht war. Hier muss man auch berücksichtigen, dass sich das Buch an eine Leserschaft im Alter ab 12 Jahren richtet. Da darf man keine Verwirrungen um siebenundsiebzig Ecken erwarten. Für Jugendliche diesen Alters geht es angemessen undurchsichtig zu, so dass für Spannung vom Anfang bis zum Ende gesorgt ist.
Eine kleine Lovestory ist natürlich ebenfalls eingeflochten. Sie drängt sich aber nie in den Mittelpunkt, sondern ist einfach ein schönes und romantisches Detail in diesem Psychothriller. Nur ihren Ausgang habe ich nicht verstanden.
Ich habe allerdings so einiges an Angie nicht verstanden. Wenn es einen Knackpunkt an dieser Geschichte für mich gibt, dann ist sie es. Wirklich sympathisch ist sie mir bis zum Schluss hin nicht geworden. Natürlich ist es schrecklich, was ihr zugestoßen ist. Natürlich hat sie Schmerzen gehabt. Natürlich ist so ein Überfall etwas, das einen noch lange belastet. Mir war es hier trotzdem zu viel. Wie Angie bei jeder Gelegenheit auf  die Dramatik ihres Schicksalsschlages hinweist. Wie sie einzeln betont, welche Verletzungen sie davon getragen hat und dabei mitunter übertreibt. Und auch ihr “alles hört auf mein Kommando, denn ich habe Schreckliches erlebt und da muss doch jeder Rücksicht nehmen”-Gehabe ging mir dann und wann gut auf die Nerven. Entsprechend ungerne habe ich deshalb auch verfolgt, wie jeder aus ihrer Familie letztlich nach ihrer Pfeife tanzt.

 

Mit nicht mal 192 Seiten ist das Buch nicht besonders dick. In der Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende immer etwas los und es ist spannend und ein wenig schaurig. So liest sich “Die Lilienvilla” zügig und unterhaltsam. Ich habe das Buch -trotz gewisser Ahnungen die Handlung betreffend- nur ungerne aus der Hand gelegt. Da Angie selbst erzählt, liest es sich zudem jugendlich locker. Auch das hilft dem Lesetempo auf die Sprünge.

 

Die Szene auf dem Cover gibt es in der Geschichte tatsächlich und auch genauso. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich bin kein Fan davon, wenn ein Cover keinen oder nur wenig Bezug zur Handlung hat. Das Motiv wirkt  schön düster und speziell die zwar düsteren, aber doch auch kräftigen Farben haben es mir angetan. Das ist sehr stimmungsvoll und attraktiv anzusehen.

 

Fazit:  Mit Angie konnte ich mich bis zum Schluss nicht wirklich anfreunden. Aber ihre Geschichte hat mich trotzdem gut unterhalten. Als Erwachsener kommt man dem Geheimnis der Lilian Bittner zwar recht schnell auf die Spur, aber junge Thriller-Fans dürften sich bis zum Schluss auf die Folter gespannt fühlen. Die verheißungsvolle Ankündigung eines “Psychothrillers für mutige Mädchen” unterschreibe ich also ganz klar. Mir hat ja speziell die Düsternis gefallen mit der die Lilienvilla beschrieben wird. Ich hätte dieses Haus sofort genommen ;)

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/05/16/rezension-die-lilienvilla-karen-mcquestion