Wiziges Krimivergnügen

Finger, Hut und Teufelsbrut - Tatjana Kruse

Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wird der indische Kulturattaché mitten auf dem Marktplatz zu Schwäbisch Hall entführt. Siegfried Seifferheld, Kommissar a. D., kennt die Hintergründe, und während die Exekutive noch im Dunkeln tappt, ermittelt Seifferheld mit Gehhilfe und Gefahrhund undercover in einem “Indisch Kochen leicht gemacht”-Kurs. Währenddessen tobt in seiner Familie wieder einmal das Chaos: Seine Freundin MaC ist wutentbrannt ausgezogen, dafür ist seine Schwester Irmgard, auch genannt der General, wieder bei ihm in die Untere Herrengasse eingezogen. Und der heimliche Sticker Seifferheld erhält sogar eine eigene Radiosendung, in der er als Stickexperte mit Rat und Tat berät.

 

Ich hatte eigentlich nur ein Buch kaufen wollen, da fiel mir der neue “Seifferheld” ins Auge und es war klar: der muss ebenfalls mit! Tatjana Kruses urkomische Krimi-Serie gehört längst zu meinen Lieblingen.
Dieses Mal bekommt Seifferheld es mit der Entführung des indischen Kulturattaché zu tun. Und zwar mitten in Schwäbisch Hall. Das weckt natürlich seinen Spürsinn und so stellt er bald schon eigene Nachforschungen an.
Damit sind die wichtigsten Grundlagen für einen “echten” Krimi gegeben. Es gibt ein Verbrechen mit einigen Verwicklungen und einen Ermittler. Beides wie es sich für einen Krimi gehört. Es ist auch durchaus spannend zu verfolgen, wie sich dieser Fall entwickelt. Allerdings habe ich zumindest einen Aspekt ziemlich flott durchschaut und mich gefragt, wieso niemandem sonst in der Unteren Herrengasse das genug aufgefallen ist um mal im eigenen Haus zu ermitteln. Abgesehen von Hund Onis natürlich.
Womit wird auch schon bei der Familie des Kommissar Seifferheld wären. Und wie schon von den beiden vorigen Bänden gewohnt “verschwindet” der Kriminalfall deutlich hinter diesem turbulenten Familienleben. Da ist Nichte Karina, die ihrem dunkelhäutigen Gatten ein chinesisch-gelbes Kind geboren hat, was natürlich für mächtig Aufregung sorgt. Da ist Seifferhelds Schwester Irmgard und ihr frisch angetrauter Pastor mit dem verhängnisvollen Verdauungsproblem, der zum Missionieren nach Afrika geht und dort ganz neue Seiten an sich kennenlernt. Da ist Seifferhelds Tochter, die sich nach der Geburt ihrer Tochter selber nicht mehr erkennt und äußerst handgreiflich ihrem Liebsten gegenüber ist. Und natürlich spielt auch Seifferhelds Flamme MAC wieder eine wichtige Rolle und heizt ihm mitunter ordentlich ein. Von Seifferhelds Freunden vom Revier und aus dem Kochkurs und seinem Outing als Sticker gar nicht erst zu reden.
Es ist also wieder mächtig etwas los in Schwäbisch Hall. Und vor allem ist es wieder zum Tränenlachen komisch. Ich habe dieses Buch auf einer Zugfahrt gelesen und bin mehr als einmal schräg angeschaut worden, wenn ich mal wieder laut loslachen musste. Ich liebe die Seiffherheld’sche Chaosfamilie einfach und bin deshalb auch niemals böse darüber, dass ich mit dieser Reihe keine typischen Krimis in Händen halte. Typisch kann jeder ;) So viele Ideen voller witziger Dialoge und mit so viel Situationskomik muss man sich dagegen auch erstmal ausdenken können. In dieser Hinsicht hat mit Tatjana Kruse noch nie enttäuscht.
Hier hat mich das Wiedertreffen mit der Familie vor allem deshalb gefreut, weil ich mir nach Band 2 gewisse Sorgen gemacht hatte ob sie im nächsten Band überhaupt wieder eine Rolle spielen würde. Immerhin waren da die meisten Familienmitglieder aus dem Fachwerkhaus ausgezogen. Eine unbegründete Sorge wie sich herausstellte. Zum Glück. Es hätte mir aber auch klar sein müssen, denn der Reihe dieses wichtige Element zu nehmen, das wäre schlicht der KO-Schlag für die Seifferheld-Krimis.

 

Wenn ich genug Zeit habe -und im Zug hatte ich sie- dann lese ich einen Seifferheld-Krimi in einem Rutsch. So turbulent wie es in Schwäbisch Hall immer zugeht und so witzig wie die Bücher geschrieben sind, fällt das nicht weiter schwer. Alleine schon die Kapitelüberschriften treiben einem mitunter die Lachtränen in die Augen und machen neugierig auf das Geschehen im jeweiligen Kapitel. Sonderlich lang sind sie auch nie, so dass man leicht immer wieder denkt: ach los, eines noch! Und plötzlich ist man durch.

 

Vom Cover her schaut einem wie üblich ein Gartenzwerg entgegen. Das Markenzeichen der Seifferheld-Krimis. Mir ist zwar  der Zusammenhang mit den Geschichten immer noch nicht so richtig klar, aber immerhin hat dieser Geselle ein Messer in der Hand. Das ist ein Gegenstand der einem Krimi immer gut steht. Einem Kochbuch allerdings auch, in dem Rezepte sind für die man Kartoffeln schälen muss ;) Aber was soll’s? Kochen spielt in den Geschichte ja auch immer eine Rolle.

 

Fazit:  Wie gesagt, “echte” Krimis sehen anders aus. Deshalb wird auch Band 3 dieser Reihe nichts für ernsthafte Krimi-Fans sein. Fans der Reihe kommen mit diesem Band aber wieder voll auf ihre Kosten. Der Fall versteckt sich zwar wieder gut hinter dem chaotischen Familienleben des Kommissars, dafür ist dieses aber erneut zum Kaputtlachen komisch. Das versöhnt mich jedes Mal und ich bin gespannt, welchen Ereignissen (privater und krimineller Art) die Bewohner der Unteren Herrengasse noch entgegengehen.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/05/20/finger-hut-und-teufelsbrut-kommissar-seifferheld-ermittelt-tatjana-kruse