Im Vergleich zu Band 1 ein Unterschied wie Tag und Nacht

Ruf der verlorenen Seelen  - Kimberly Derting

Als Violet die Leiche eines ermordeten Jungen entdeckt, zieht sie unweigerlich die Aufmerksamkeit des FBI auf sich. Nur widerstrebend bietet sie ihre Unterstützung bei den Ermittlungen an. Sie weiß, dass sie mit äußerster Vorsicht vorgehen muss, um ihre Gabe, die Aura der Toten wahrzunehmen, geheim zu halten. Doch schon bald geht es um sehr viel mehr: Ihre Beziehung zu Jay ist in Gefahr … und ihr Leben.

 

Regulär hätte Teil 2 dieser Serie nach Band 1 keine Chance mehr bei mir gehabt. So enttäuscht wie ich war. Allerdings bin ich erst durch Band 2 überhaupt auf “Bodyfinder” aufmerksam geworden und somit habe ich ihn natürlich doch gelesen. Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn in meinen Augen ist er kein Vergleich mit seinem Vorgänger.
Violet empfängt auf einem Hafengelände plötzlich ein Echo aus Harfenklängen, das zu einem ermordeten Jungen gehört. Da sie nicht zu ihm in den Container gelangen kann, meldet sie den Fund anonym von einem öffentlichen Telefon. Dennoch gelingt es dem FBI, eine Verbindung zu ihr herzustellen.
Darüber war ich ausgesprochen froh, denn mit diesem Leichenfund ist hier ein richtiger Fall gegeben, der aufgeklärt werden muss. Zudem scheint es endlich nahe daran zu sein, dass das FBI hinter Violets Geheimnis kommt. Mit Sara und Rafe kommen zwei FBIler ins Spiel, die selber ebenfalls ziemlich mysteriös wirken und mehr zu wissen scheinen als sie zugeben.  Deshalb hat es mich auch erstaunt, dass Violet sich auch weiterhin sträubt ihr Talent wenigstens diesen beiden Personen preiszugeben. Das werde ich nie verstehen! Als Leser spürt man schließlich, dass von Sara und Rafe keine Bedrohung ausgeht. Spürt Violet das denn nicht? Und wenn ich ganz egoistisch und nur als Leser sprechen darf: Violet mit ihrer Fähigkeit als “freie Mitarbeiterin” beim FBI…was das an Potenzial für richtig gute Thriller birgt!
Aber gut, der erste Schritt in die Richtung ist in diesem Band getan, also gebe ich die Hoffnung noch nicht auf. Ich würde in Band 3 sehr gerne wieder von Sara und Rafe lesen. Die beiden Charaktere haben mir prima gefallen. Außerdem habe ich einen kleinen Verdacht ihnen gegenüber und bin neugierig, ob ich Recht damit habe.
Der ermordete Junge ist hier jedoch nicht Violets einziges Problem, denn plötzlich steht auch ihr eigenes Leben auf dem Spiel. Sie erhält Drohungen und weiß bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann.
Somit ist die Geschichte gleich in mehrerlei Hinsicht spannend: Violets Kontakt zum FBI und der Plot um diese Bedrohung gegen sie selber. Bei Letzterem hegt man schon früh und lange einen Verdacht, doch immer wieder geschieht etwas, das einen zweifeln lässt, aber eben nie genug. So bleibt man neugierig.
Wieso Violet sich allerdings noch nicht mal Jay anvertraut, ist mir ein Rätsel gewesen. Immerhin ist er ihr bester Freund und der Junge, den sie über alles liebt. Was umgekehrt genauso gilt. Da habe ich doch ab und zu den Kopf geschüttelt, wenn Violet sich ihm gegenüber zickig und geheimniskrämerisch benimmt.
Zumindest aber drängt die Lovestory nicht die Haupthandlung in den Hintergrund wie es in Band 1 der Fall war. Violets und Jays Liebe ist zwar immer noch Thema, aber dezenter, romantischer. Nicht mehr so allumfassend teenagermäßig als gäbe es sonst nichts Wichtiges.

 

Beim Aufschlagen des Buches fiel mir als erstes auf, dass der Text kleiner geschrieben ist als bei Band 1. Dadurch kam dieses Gefühl, ein Kinderbuch vor sich zu haben, gar nicht erst auf. Vom Schreibstil bleibt es allerdings so jugendlich locker wie man es vom ersten Band her kennt, so dass sich das Buch genauso flott liest.

 

Alleine vom Look her hätte ich niemals vermutet, dass es sich bei “Ruf der verlorenen Seelen” um den zweiten Teil von “Bodyfinder” handelt. Vermutlich habe ich es deshalb anfangs als eigenständiges Buch eingeschätzt, denn das Cover von “Bodyfinder” hatte ich schon einige Male gesehen. Ich mag das düstere Motiv von Band 2 immer noch sehr und auch lieber als das von Band 1. Ein Element, aus dem man schließen kann, dass es sich um eine Reihe handelt, hätte es aber gerne geben dürfen.

 

Fazit:  Ich habe es kaum für möglich gehalten, dass die beiden Geschichten von Band 1 und 2 von der gleichen Autorin stammen. Die Verbesserung bei “Ruf der verlorenen Seelen” ist -im Verhältnis gesehen- geradezu unglaublich. Die Story ist griffiger und Kimberly Derting hat hier ein gutes Maß zwischen Jugendthriller und Lovestory gefunden, bei dem Ersteres erfreulicherweise überwiegt. Wenn Violet nun noch ihre gelegentlich kindische Art ablegen und sich dem FBI anvertrauen würde, wäre ich vollkommen zufrieden. Vielleicht in Band 3?

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/06/21/rezension-bodyfinder-02-ruf-der-verlorenen-seelen-kimberly-derting