Kann man lesen, muss man aber nicht

Shades of Grey: Geheimes Verlangen (Shades of Grey, #1) - E.L. James, Andrea Brandl, Sonja Hauser

Sie ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe nicht allzu erfahren. Doch dann lernt Ana Steele den reichen und ebenso unverschämt selbstbewussten wie attraktiven Unternehmer Christian Grey bei einem Interview für ihre Uni-Zeitung kennen. Und möchte ihn eigentlich schnellstmöglich wieder vergessen, denn die Begegnung mit ihm hat sie zutiefst verwirrt. So sehr sie sich aber darum bemüht: Sie kommt von ihm nicht los. Christian führt Ana ein in eine dunkle, gefährliche Welt der Liebe – in eine Welt, vor der sie zurückschreckt und die sie doch mit unwiderstehlicher Kraft anzieht.

 

Eigentlich wollte ich mich vor dieser Serie drücken. Der ganze Hype darum ging und geht mir ziemlich auf die Nerven. Dann bekam ich diesen ersten Band geliehen. Da ich finde, dass man geliehene Bücher nicht allzu lange behalten sollte, habe ich es dann doch sehr zügig gelesen.
Und ja, ich habe drei ganz unterhaltsame Abende damit verbracht. Warum um diese Reihe allerdings solch ein Wirbel gemacht wird, verstehe ich auch nach der Lektüre nicht. Zweifellos liest sich die Geschichte gut, aber das ist kein Wunder, denn es passiert ja auch nicht wirklich etwas.
Dieses Schema “unbedarftes junges Mädel trifft auf hinreißenden Kerl und verliebt sich in ihn” ist nun wirklich nichts Neues.
Und auch wenn ich bis zu “Geheimes Verlangen” kein erotisches Buch gelesen hatte, so glaube ich trotzdem nicht, dass es solch offenherzige Literatur nicht auch schon von anderen Autoren / Autorinnen gibt. Ob nun in Richtung SM, das lasse ich mal dahin gestellt. Vermutlich ist die romantische Lovestory doch besser und häufiger im Rennen. Ich weiß es nicht.
Aber ja, dieses Buch geht mit diesem Thema sehr offen um und die entsprechenden Passagen sind äußerst präzise beschrieben. Derartig detailgetreue Sex-Schilderungen habe ich aber auch schon in anderen Romanen gelesen. Auch in dieser Hinsicht war “Geheimes Verlangen” also keine Offenbarung. Leser/innen, die auf Erotikgeschichten stehen und auch dem Thema SM offen gegenüberstehen, dürften auf ihre Kosten kommen. Da meinetwegen jeder im Bett das treiben soll, was ihm und dem Partner gefällt, hat es mich jedenfalls nicht schockiert. Ana und Christian sind sich einig, also bitte.
Es dauert allerdings bis sie sich soweit einig sind. Mehr als die Hälfte des Buches befasst sich mit der Suche nach dieser Einigung. Aber auch als sie endlich gefunden und getroffen wird, legt die Story nicht zu. Weder an Inhalt, noch an Tempo.
Ich habe mich ab der Mitte immer wieder gefragt, womit diese Story ihr Dasein als Trilogie rechtfertigt.
Okay, Christian ist SMmäßig veranlagt und Ana weiß nicht recht, ob und inwieweit sie damit klarkommen wird. Und außerdem spielen bei ihr auch romantische Gefühle eine Rolle, die an Christian jedoch abzuperlen scheinen. Ich war schon neugierig, wie sie das auf die Reihe bekommen würden, aber das reichte in meinen Augen nicht für drei Teile. Auch nicht mit den pikanten Sexszenen alle paar Seiten! Mir fehlte einfach so etwas wie eine große, weiter reichende Problematik. Die taucht auf den letzten paar Seiten dann endlich auf, und ich bin für dieses Ende äußerst dankbar. Es ist zwar nicht der innovativste Aufhänger für eine Fortsetzung, aber wenigstens ist es einer!
Für ein Schmunzeln ab und zu haben Anas Einblicke in ihr Inneres gesorgt. Die Dispute zwischen ihrem schüchternen Unterbewusstsein und ihrer kleinen inneren Göttin sind schon ganz witzig.
Somit denke ich, ich werde Band 2 und 3 wohl auch noch lesen. Sofern sie mir geliehen werden ;)
Warum? Weil ich Ana ihre Romantik gönne und hoffe, dass sich Christian irgendwann damit arrangieren kann und sie ihr geben wird. Ich finde ihn nämlich nicht gerade unsympathisch, denn im Grunde tut er alles für Ana. Wenn auch aus recht eigennützigen Motiven heraus. Aber ihr geht es -zumindest dabei- wirklich nicht schlecht. Und sie hätte es verdient bei allem, was sie mit ihm sonst durchstehen muss. Deshalb würde ich mir wünschen, das sie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Wie immer der auch aussehen mag.

 

Außerdem hat sich “Geheimes Verlangen” wirklich flüssig gelesen. Inhaltlich geschieht wie gesagt nicht viel und sprachlich wird meist ein lockerer Ton angeschlagen. Man merkt, dass hier eine einundzwanzigjährige Studentin erzählt. Die Kapitel sind allerdings ziemlich lang, aber nicht zu lang für ein Vor-dem-Einschlafen-Häppchen.

 

Der Blick auf den Titel wird durch einen kreisrunden Ausschnitt im Cover gewährt. Quasi wie ein Blick durch ein Schlüsselloch. Wie geheimnisvoll und verrucht aber auch! ;)   Einen Zusammenhang zwischen der Orchidee und der Story sehe ich allerdings nicht. Das Cover fühlt sich samtig weich an. Ich hatte allerdings immer das Gefühl, dass nach dem Anfassen irgendwelcher Staub an meinen Fingern klebt. Somit finde ich diese spezielle Gestaltung eher scheußlich als attraktiv.

 

Fazit:  Bisher kann ich den Hype um die Reihe nicht nachvollziehen. Ich glaube kaum, dass die Reihe in Sachen Erotik neue Maßstäbe setzt und offenherziger damit umgeht als alle anderen Erotikromane. Und was die Story anbetrifft, wird noch viel weniger geboten. Die wird zwar unterhaltsam erzählt, plätschert aber inhaltlich unspannend und unspektakulär vor sich hin. Fairerweise muss ich aber sagen: es gibt Bücher, bei denen ich mich mehr gelangweilt habe.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/09/07/rezension-shades-of-grey-01-geheimes-verlangen