Vom Heftroman ins Buchformat

Das dunkle Spiel - Die Gejagte - L.J. Smith, Michaela Link

Ein gefährliches Spiel um Leben, Tod und eine obsessive Liebe.
Als Jenny ihrem Boyfriend Tom zum Geburtstag ein scheinbar harmloses Brettspiel schenkt, ist plötzlich nichts mehr, wie es war: Das Spiel entwickelt ein grauenvolles Eigenleben, das Jenny, Tom und ihre Freunde mit ihren schlimmsten Albträumen konfrontiert. Wer sie überwindet, gewinnt. Wer nicht, verliert sein Leben. Nur Jenny kann ihre Freunde retten – wenn sie die Liebe des mysteriösen Schattenprinzen erwidert.

 

Ich erinnere mich noch gut, wie begeistert ich in den 90ern von dieser Serie war. Damals erschien sie noch als “Super Mystery” im Cora Verlag, also quasi ein besserer “Groschenroman”.
Als ich erfuhr, dass sie nun als Bücherserie herauskommt, war klar, dass ich sie noch mal lesen würde. An alles erinnert man sich nach so langer Zeit doch nicht mehr. Außerdem war ich neugierig, ob ich immer noch so begeistert davon sein würde.
Kurz gesagt: ja, ich bin es immer noch!
Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens gefällt es mir immer, wenn das Grauen aus etwas entsteht, bei dem man es überhaupt nicht erwarten würde, weil es sonst für reines Vergnügen steht. Hier ist es ein Gesellschaftsspiel, das Jennys Party bereichern soll. Gespielt wird mit Figuren in einem dreidimensionalen Papphaus. Coole Sache! Wer rechnet da schon mit etwas Unheimlichen? Doch in genau dieses Haus werden Jenny und ihre Freunde hineingezogen…
Zweitens erinnert mich die Geschichte in einigen Elementen an drei Filme, die mir sehr gefallen. Beispielsweise an “Jumanji”, wo in jedem Raum ein anderes wildes Tier oder eine sonstige Gefahr lauert. Hier müssen sich Jenny und ihre Freunde in jedem Raum ihren Albträumen stellen.
Was direkt zum nächsten Film führt, nämlich zu der Reihe “A Nightmare on Elm Street”. Gewissermaßen müssen sich die Teenies darin ja auch ihren schlimmsten Albträumen stellen. Nur so brutal und blutig geht es in diesem ersten Teil von “Das Dunkle Spiel” natürlich nicht zu.
Film Nummer 3 ist “Die Reise ins Labyrinth” mit David Bowie als Koboldkönig. Genau wie er kann auch Julian verschiedene Gestalten annehmen und er möchte Jenny ebenso für sich wie der Koboldkönig Sarah für sich möchte.
Ich muss auch immer an Bowie denken, wenn ich mir Julian vorstellen. Zwar sieht Julian anders aus, klar, aber er ist ebenso attraktiv und hat eine ganz ähnliche, gefährlich-verführerische Ausstrahlung.
Und Julian ist auch direkt der dritte Grund. Obwohl ich mich für nicht sonderlich anfällig dafür halte, ein wenig für einen Charakter zu schwärmen, so gefällt mir die Vorstellung des Jungen mit den schneeweißen Haaren und Augen “so blau wie das Innere einer Flamme” ausnehmend gut. Man muss aber auch dazu sagen, dass L.J. Smith speziell in solchen blumigen Beschreibungen ihres Finsterlings ausgesprochen kreativ ist.
Jetzt könnte man natürlich den Verdacht hegen, dass L.J. Smith sich großzügig bei diesen Filmen bedient hat. Ich habe selber auch schon daran gedacht. Die “Mysterys” erschienen 1995, soweit ich weiß.  Die Filme zwischen ’84 und ’95. Das käme zeitlich hin, doch diese These ist wohl etwas gewagt.
Und selbst wenn es so wäre: ich mag die Filme. Deshalb würde es mich gar nicht stören. Denn L.J. Smiths Geschichte hat noch immer genug Eigenständigkeit um sich klar davon abzuheben. In Sachen Spannung kann sie auf jeden Fall mithalten, und dafür, dass es eine Geschichte für Jugendliche ist, geht es dann und wann ganz schön heftig zu. Und natürlich ist da noch die Lovestory zwischen Jenny und Julian, die ganz reizvoll ist. Ich persönlich könnte es sogar verstehen, wenn Jenny ihm den Vorzug geben würde, denn außer “toll” ist ihr Freund Tom eigentlich nichts…
Doch für wen sich Jenny schließlich entscheidet, das muss man noch zweit weitere Bände abwarten. Jedenfalls wenn man die Reihe noch nicht kennt ;)

 

Mt 285 Seiten ist das Buch nicht besonders dick. Zudem haben die Kapitel eine ganz angenehme Länge. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Da es ein Jugendroman ist, liest er sich auch entsprechend leicht. Man kann das Buch gut kapitelweise vor dem Schlafen lesen. Geübte Leser, die die Story ähnlich cool finden wie ich, werden es aber sicher wesentlich flotter ausgelesen haben.

 

Ich weiß nicht, was ich vom Cover halten soll. So helles, fast weißes Haar hat eigentlich Julian. Aber nach einem Jungengesicht sieht es mir nicht aus. Jenny ist honigblond, sie kann es also auch nicht sein. Von daher frage ich mich, was diese Gesicht auf dem Cover verloren hat? Irgendein recht beliebiges Gesicht auf einem Cover, okay, das kenne ich. Geht in Ordnung. Dann aber bitte ohne eine solch deutliche Ähnlichkeit zu einer der Hauptpersonen, wegen der man sich dann wundert. Mir gefällt das Taschenbuch auch sonst optisch nicht besonders. Auf dem glänzenden Deckeln sieht man jeden Fingerabdruck und die Pappe ist so dünn, dass das Buch selbst nach vorsichtigem und einmaligem Lesen bereits schief bzw rund ist und einen Leseknick hat.

 

Fazit:  Ich habe mich mit Vergnügen auch 17 Jahre später noch mal auf das Spiel mit Julian eingelassen. Eine spannende Geschichte mit einem faszinierenden Bösewicht, die in einigen Belangen an genannte Filme erinnert. Ich freue mich schon auf die nächsten Abenteuer mit Julian, Jenny und ihren Freunden. Für mich wird diese Reihe immer L.J. Smiths beste Serie bleiben. Aber: sie hat halt auch einen gewissen Nostalgiebonus bei mir!

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/09/29/rezension-das-dunkle-spiel-01-die-gejagte-l-j-smith