Vampirroman ohne Vampir

Der Sommer, in dem ich Vampir wurde - Flynn Meaney

Checkliste: Blasse Haut? Ja. Ungewöhnlich helle Augen? Ja. Schmächtiger Körper und grüblerisches Auftreten? Ja. Und ja. Übersinnliche Fähigkeiten? Nicht ganz. Der unscheinbare sechzehnjährige Finbar Frame ist in Sachen Mädchen ein absoluter Loser. Als er davon Wind bekommt, dass seine Mitschülerinnen total dem Vampirkult verfallen sind, beschließt er kurzerhand, Vampir zu werden – selbstverständlich ohne den Blutsauger-Part. Finbars Täuschung funktioniert besser als gedacht. Schon bald scharen sich unzählige Möchtegernfreundinnen um den geheimnisvollen Untoten. Aber als Finbar das Mädchen seiner Träume trifft, erkennt er, dass das Leben als Pseudo-Vampir ganz schön kompliziert ist.

 

Ein Vampirroman ohne Vampir? Wie soll das funktionieren? So ganz hatte ich das anhand des Klappentextes nicht verstanden. Doch sehr bald kam mir eine Idee. Denn indem man Finbar kennenlernt, kann man sich bald vorstellen, wie es zum falschen Vampir kommt. Denn Finbar ist -auf gut Deutsch gesagt- ein ziemliche Losertyp. Er ist samt Eltern und dem sportlichen und beliebten Bruder frisch nach New York gezogen. Irgendwie hofft er dort auf einen Neuanfang, denn vorher war er alles andere als beliebt. Doch auch an der neuen Schule hatte er alles andere einen leichten Stand. Mir tat Finbar bald ganz schön leid, zumal er eigentlich ein echt netter Kerl und ausgesprochen helles Köpfchen ist.
Leider ist beides an der Schule keine Qualifikation um Freunde zu finden, ein Mädchen abzubekommen und einfach als cool zu gelten. Dabei hätte ich es ihm so sehr gegönnt!
Dank des aktuellen Hypes um die Blutsauger, der auch in der Geschichte ein Thema ist, ist Finbars Plan schnell geschmiedet: er muss Vampir werden. Er ist blass, hat eine Sonnenallergie und sehr helle Augen. Das müsste als Rüstzeug doch erstmal reichen! Es ist wirklich witzig zu verfolgen, wie Finbar sich allmählich in einen Preudo-Vampir verwandelt. Ich habe manches Mal gelacht, wenn er zB an seinem Hypnoseblick arbeitet oder trotz allen Ekels vor Blut tapfer in einer Krankenstation ausharrt.
Ebenso amüsant ist es, wie immer mehr seiner Mitschüler ihm diese Show auch noch abkaufen und entsprechend anhimmeln oder -im männlichen Lager- zumindest bewundern. Da habe ich mich einige Mal ernsthaft gefragt, ob das tatsächlich so leicht wäre, wenn es jemand versuchen würde. Gewissen Hardcore-Vampirfans würde ich das glatt noch zutrauen!
Allerdings ist Finbar ja gar kein Vampir. Und so gerät er oft in brenzlige Situationen, so dass ich mich gefragt habe, ob und für wie lange er dieses Theater würde aufrecht erhalten können. Ebenso gespannt war ich, wie und ob er es mal auflösen würde. Und wie dann die Reaktionen seiner Mitschüler ausfallen würden.
Denn da gibt es noch ein Mädchen, das Finbar sehr mag und das von dem ganze Vampirtheater glücklicherweise nichts mitbekommen hat. Und das damit auch sicher nicht zu beeindrucken wäre! Finbar hat es als gar nicht leicht, sich für sie interessant zu machen. Erstens lebt er quasi mit einer Lüge, wegen der ihm zweitens ein Haufen Mädels an den Hacken hängen. Da geht es mächtig turbulent zu und das ist einfach spaßig zu lesen.
Mir hat es außerdem gut gefallen, wie der Trubel um die Blutsauger hier durch den Kakao gezogen wird. Da sieht man Glitzervampir Edward und Konsorten doch gleich mit anderen Augen.

 

Finbar hat eine lustige Art zu erzählen und manche bissige Bemerkung auf Lager. Entsprechend zügig liest sich auch seine Geschichte. Das Buch ist mit 256 Seiten nicht gerade dick und Dank des flüssigen Erzählstils hatte ich es recht schnell ausgelesen.

 

Das Cover gefällt mir außerordentlich gut. Ich mag solche Nachtmotive und die dunkeln Farben, die einfach dazugehören. Es wirkt allerdings schon gruseliger als es die Geschichte ist. Denn gegruselt habe ich mich dabei nicht ein einziges Mal. Aber ein Hingucker ist das Cover natürlich trotzdem.

 

Fazit:  Diese Vampirgeschichte hat zwar keinen echten Vampir zu bieten, aber dennoch eine ganze Menge Biss. Ernsthafte Vampirfans könnten sich eventuell auf den Schlips getreten fühlen. Wer das Genre dagegen locker nimmt oder gar nichts dafür übrig hat, der wird an diesem Buch viel Spass haben.

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2012/12/20/rezension-der-sommer-in-dem-ich-vampir-wurde-flynn-meaney