Das wird sicher nicht mein einziger Thriller von Birgit Schlieper bleiben

Böser Traum - Birgit Schlieper

Die Entführung ist nur fingiert – doch das, was von den zwei Freundinnen als Denkzettel für Charlottes Eltern geplant war, nimmt eine dramatische Wendung: Emilia landet nach einem Unfall schwerverletzt auf der Intensivstation. Und als sie aus dem Koma erwacht, erinnert sie sich nur unscharf an die in einer alten Fabrik eingesperrte Charlotte. Der junge Pfleger, den sie in ihrer Verzweiflung ins Vertrauen zieht, behauptet, Charlotte in ihrem Gefängnis nicht vorgefunden zu haben. Aber warum ist sein Blick plötzlich so eisig? Und warum geht es Emilia, die doch eigentlich über den Berg sein sollte, von Tag zu Tag schlechter? Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn nicht nur Charlotte schwebt in akuter Lebensgefahr.

 

Dies ist mein erster Thriller von Birgit Schlieper. Als erstes fiel mir das schöne Cover auf und die Inhaltsangabe klang zudem ganz vielversprechend. Deshalb wurde es kurz nach dem Einzug sofort gelesen.
Mit langen Vorreden hält die Geschichte sich nicht auf. Man ist sofort mittendrin und erfährt, was Charlottes Eltern für ihre Tochter geplant haben. Sie soll in ein Internat. Aber das geht gar nicht! Wie soll es für Charlotte und ihre beste Freundin Emilia weitergehen, wenn sie getrennt sind? Wo sie seit Kindesbeinen keinen Tag ohne die andere verbracht haben und alles miteinander teilen? So innig diese Freundschaft hier hier beschrieben wird -man kann es sich auch als Leser vom ersten Moment an nicht vorstellen, dass die beiden getrennt werden sollen-, so schwer habe ich mich anfangs trotzdem mit Emilia getan. Sie war mir eine Spur zu energisch, zu bestimmend um sie wirklich nett zu finden. Da kam mir Charlottes ruhiges und freundliches Wesen mehr entgegen.
Über den Plan der beiden Freundinnen, Charlottes Entführung zu fingieren um deren Eltern wachzurütteln, habe ich Bauklötze gestaunt. Auf solch eine Idee muss man erstmal kommen! Und beim Besuch des Verstecks, in dem Charlotte bleiben soll, habe ich wirklich geschaudert. Was für eine gruselige Vorstellung, dort auch  nur einen Tag zu verbringen, geschweige denn eine Nacht!
Dann kommt es aber noch viel schlimmer! Kaum ist Charlotte versteckt, hat Emilia einen Unfall und landet im Krankenhaus, wo sie im Koma liegt. So sitzt Charlotte natürlich in ihrem Versteck fest, und selbst als Emilia aufwacht, kann sie sich nicht ausreichend bemerkbar machen und erzählen, was passiert ist.
Mich haben die Szenen mit Charlotte in ihrem Versteck am meisten beeindruckt und zum Schaudern gebracht. Ob man in solch einer Situation wirklich so eine Entwicklung durchmacht, wie Birgit Schlieper sie so eindrucksvoll und detailgenau beschreibt? Furchtbar!
Ebenso furchtbar fand ich die Situation von Charlottes Eltern, ihrem Freund Mats und auch Emilias Eltern, die von Charlottes Eltern bald informiert werden. Diese Sorge um ihre Tochter, die genauso genau und authentisch geschildert wird! Das muss auch schrecklich sein. Ich konnte ihre Angst sehr gut nachvollziehen und mit ihnen bangen.
Als dann ein Pfleger aus Emilias Gestammel erste Schlüsse zieht, schöpft man zunächst Hoffnung. Da ist jemand, der Charlotte helfen können. Doch bald wird klar, dass auch der Pfleger nichts Gutes im Sinne hat. Auch wenn er das ganz anders sieht. Mit dieser Wendung wird auf der dritten Seite Sorge und Angst geschürt. Nun bangt man als Leser auch noch um Emilias Leben. Und doppelt so sehr um Charlottes.
Das Geschehen ist wirklich wie eine Spirale aus Angst aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Kaum hat man einen Funken Hoffnung, geschieht etwas, das ihn wieder zunichte macht. So bleibt die Geschichte bis zum Schluss sehr spannend und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie diese Situation noch jemals ein gutes Ende finden soll. Das ist oft wirklich schwer vorstellbar.

 

Kein Kapitel hat mehr als vier Seiten und die Titel machen außerdem neugierig auf den weiteren Verlauf. Mit so kurzen und knackigen Kapiteln liest das Buch sich im Nu dahin. Getreu dem “verhängnisvollen” ;) Motto ‘ach, ein Kapitel noch’ war ich plötzlich schon über die Mitte hinaus. Das wird auch jungen Lesern  entgegenkommen.

 

Sind Gläser mit darin gefangenen Schmetterlingen die neue Mode bei Covern? Mit etwas Phantasie kann man die eingesperrten Schmetterlinge hier zumindest noch mit Emilia und Charlotte gleichsetzen, die beiden auf verschiedene Art gefangen sind. Mir hat das Cover sofort gefallen, trotzdem es ähnliche bereits gibt. Es ist zwar recht schlicht, fällt mit dem kräftigen Blau aber dennoch auf! Und ich mag Blau!

 

Fazit:  Ich habe “Böser Traum” in einem Rutsch gelesen. Kaum ist  Charlottes “Entführung” inszeniert, nimmt das Geschehen eine schreckliche Wendung nach der anderen, sodass man bis zum Schluss um das Leben der Freundinnen bangen muss. Jeder Funke Hoffnung zwischendurch ist im Nu dahin! Birgit Schlieper schildert die Situationen der einzelnen Parteien sehr authentisch und eindringlich, was noch nach dem Ende des Buches nachwirkt. Das war sicher nicht mein letzter Thriller von ihr!

Quelle: http://leserattz.wordpress.com/2013/09/01/rezension-boser-traum-birgit-schlieper